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30. Juli 2012: Siedlungsentwicklung: Von Quantität zu mehr Qualität

(Ho) Die Einwohnerzahl ist in der Samtgemeinde in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich auf 17.019 Menschen (Ende 2011) gewachsen. Während sowohl in Schaumburg als den östlichen Nachbarstädten ein Bevölkerungsrückgang erwartet wird, ist in Nenndorf von einem moderaten Anstieg auszugehen.

Während aktuelle Baugebiete hervorragend laufen, ist fraglich, wie lange diese Entwicklung weitergeht und ob das überhaupt sinnvoll ist. Immer neue Baugebiete führen zu Zersiedelung, zunehmender Flächenversiegelung und haben kostspieligen Ausbau von technischer und sozialer Infrastruktur zur Folge.

Demografischer Wandel
Im Jahr 2011 sind in Nenndorf 100 Kinder geboren wurden, zugleich sind 250 Menschen verstorben. Neben diesem negativen Geburtensaldo konnten die Einwohnerzahlen nur durch starke Zuwanderung von Außen gesteigert werden. Dabei ist zukünftig zu beachten, dass die Neubauwelle der sogenannten Babyboomer zu Ende ist. Nachdem die in den 1960er Jahre Geborenen nun weitgehend mit Wohnraum versorgt sind, kommen jetzt die zunehmend geburtenschwachen Jahrgänge, die folglich weniger Wohnraum nachfragen.

Es ist für einen Kurort wenig verwunderlich, dass der Alterdurchschnitt mit 49,5 Jahren über dem Bundesdurchschnitt (44,2 Jahre) liegt. Wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass eine steigende Lebenserwartung und ein höherer Altersdurchschnitt zu veränderten Wohnbedürfnissen führen werden.

Der demografische Wandel ist darüber hinaus von verstärkter Zuwanderung von Menschen aus anderen Kulturen geprägt.

Rohstoffe werden knapper
Die Wohnfläche pro Person in Deutschland ist inzwischen auf 40 - 45 m² gewachsen. Diese Flächenausweitung wird durch deutliche Energiekostensteigerungen ein Ende finden. Die Wohnfläche pro Person wird sich wieder reduzieren, es wird kleinere Wohneinheiten in kompakterer Bauweise mit wesentlich besseren energetischen Standards geben.
Deutlich höhere Benzinkosten werden dazu führen, dass tägliches Pendeln vom Wohnort zu einem entfernt liegenden Arbeitsort zu einem immer bedeutenderen Kostenfaktor werden wird. Für Nenndorf als Wohnort zahlreicher Berufspendler bedeutet das eine abnehmende Attraktivität, weil junge Familien sich vermehrt einen Wohnsitz in der Nähe des Arbeitsplatzes suchen werden.

Aktuelle Entwicklungen
Trotz sehr zurückhaltender Bautätigkeit der letzten Jahre ist kein Wohnungsmangel zu befürchten. Es werden verstärkt Wohnungen für Kleinhaushalte sowie sehr differenzierte Wünsche nachgefragt.
Der Trend zur Stadtflucht scheint an Bedeutung zu verlieren. So rechnet man beispielsweise in Hannover bis 2025 mit einem Bevölkerungswachstum von 10.000 Einwohnern. Junge Familien stellen dabei einen großen Anteil.
In letzter Zeit zieht eine größer werdende Zahl aktiver, mobiler, zahlungskräftige (Un-) Ruheständler bewusst in die Städte zurück. Diese Stadtrückkehrer fragen Immobilien in bevorzugten Lagen mit hohem Standard nach. Die Altimmobilien im Umland kommen auf den Markt und stehen in Konkurrenz zu Neubaugebieten.
Wohnwünsche anspruchsvoller Bevölkerungsgruppen betreffen nicht nur die Qualität der Wohnungen, sondern in zunehmendem Maße auch die Qualität des Wohnstandortes. Das wird den Wettbewerb zwischen den Wohnstandorten zusätzlich anfachen. Man muss sich darauf einstellen, dass sich allein auf Grund der quantitativen Bevölkerungsentwicklung der Wettbewerb der Regionen um mobile Bürger weiter verschärfen wird. Die Samtgemeinde steht in einem direkten Wettbewerb mit Nachbarstädten in Schaumburg aber auch in der Region Hannover. Daneben gibt es schon heute Unterschiede zwischen den einzelnen Nenndorfer Ortsteilen.

Zukunftsfähige Siedlungsflächenpolitik
• Baulandentwicklung als Angebotsplanung ist kein erfolgversprechendes Vorgehen mehr.
• Stabilisierung und Sicherung der Siedlungskerne
• Schaffung einer größeren Vielfalt im Wohnungsangebot
• Barrierefreie/ -arme Wohnungsangebote für Familien und ältere Wohnungsnachfrager in gut integrierten Lagen
• Städtebaulich interessante, aber für die Wohnungsnachfrage derzeit unattraktive Bestände umbauen und zukünftigen Herausforderungen anpassen
• Offensive Nutzung von Baulandreserven und Brachenpotenzialen im Innenbereich
• Präferenzen auf hochwertige Flächen bei Neuausweisung von Wohnbauflächen
• Einsatz von kleinteiligen, ortsteil-, quartiersbezogenen Wohnungsmarktbeobachtungs- und Monitoring-Instrumenten
• Entwicklung von Anreizinstrumente zur Beförderung von Abriss oder die Sanierung bzw. Umnutzung

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